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Flucht vor den Schlägen des Ehemanns

Frauenhaus ist seit 20 Jahren fast immer ausgebucht - 04.02.2011

FÜRTH - Am Problem „Häusliche Gewalt“ hat sich in den vergangenen Jahrzehnten leider nicht viel geändert. Seit 20 Jahren gewährt das Fürther Frauenhaus misshandelten Frauen und ihren Kindern anonymen Unterschlupf. Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind sogar noch gestiegen.

Es ist ein gut gehütetes Geheimnis: In welcher Straße sich das Fürther Frauenhaus befindet, wissen auch nach 20 Jahren nur Eingeweihte. Um die Bewohnerinnen vor gewalttätigen Männern zu schützen, soll die Adresse unbekannt bleiben, auch in Zukunft. Denn dass die Einrichtung bald überflüssig werden wird, ist leider nicht zu erwarten.

Auch 20 Jahre nachdem Marlene Rupprecht, Gabriele Küffner, Michaela Mann, Petra Guttenberger, Marianne Niclaus, Anny Heike, Elisabeth Reichert und Elke Übelacker den Trägerverein gegründet haben, der zwei Jahre später das Haus kaufte, wird die Einrichtung in Fürth gebraucht, sagt Silke Rick, die Vorsitzende des Trägervereins. „Die als lila Latzhosenträgerinnen titulierten Gründerinnen haben Recht behalten.“

In den 20 Jahren hat das Frauenhaus rund 1000 Frauen und 500 Kinder aus 17 Nationen beherbergt. Es ist ein ganz normales Wohnhaus, das in fünf Zimmern sechs Frauen und ihre Kinder aufnehmen kann. „Wir sind fast immer ausgebucht“, berichtet Silke Rick. Die Bewohnerinnen leben im Frauenhaus fast wie in einer Wohngemeinschaft zusammen. Maximal sechs Monate dürfen sie hier bleiben. Sie müssen sich selbst versorgen, also einkaufen, kochen und putzen — ein Hotel ist das Frauenhaus nicht. Eine Sozialpädagogin betreut die Frauen, und eine Hauswirtschafterin hilft ihnen, ihren Tagesablauf zu organisieren. „Denn viele Frauen“, so Rick, „brauchen nach ihrer Flucht von zu Hause erst einmal eine Ruhepause.“

In den vergangenen Jahren hat die Vorsitzende vor allem einen Trend beobachtet: Viele Frauen sind hilflos, was die täglichen Strukturen und die Kindererziehung betrifft. „Der Betreuungsumfang ist viel größer geworden.“ Daher wünscht sich Rick für das Frauenhaus eine weitere Sozialpädagogin, doch dafür fehlt das Geld. „Der Personalschlüssel passt nicht mehr zu den Gegebenheiten“, kritisiert sie. Zudem musste auch das Frauenhaus nach den Sparbeschlüssen des Stadtrats eine zehnprozentige Kürzung der Zuschüsse hinnehmen.

Doch Silke Rick ist froh über diese freiwillige Leistung der Stadt. Besonders stolz ist sie darauf, dass vieles über Eigenleistungen abgedeckt wird. Als Beispiel nennt sie zwei Wasserschäden, die das Frauenhaus in den letzten sechs Jahren zusammen über 100000 Euro kosteten. „Das ist nur mit einem guten Netzwerk zu machen“, betont die Vorsitzende und verweist auf die Spendenbereitschaft ihrer Sponsoren und das Entgegenkommen von Handwerkern.

Auch das ehrenamtliche Engagement ist groß. Beispielsweise betreuen mehrere Frauen das Notruftelefon. Unter der Fürther Nummer 729008 ist Tag und Nacht jemand zu erreichen, der von Gewalt bedrohten Frauen Hilfe anbietet. „Doch oft dauert es lange, bis eine Frau bereit ist, sich aus der Situation zu befreien“ weiß Silke Rick aus Erfahrung.

Das Leben vieler Betroffener fängt im Frauenhaus ganz neu an, oft werden aus Angst vor Entdeckung alle Kontakte abgebrochen, bisweilen muss auch die Stadt gewechselt werden. So wurden in Fürth auch schon Frauen aus Hamburg und Frankfurt untergebracht.

Sein 20-jähriges Bestehen feiert das Frauenhaus am 28. Februar um 19 Uhr mit einer großen Benefizveranstaltung in der Comödie. Auf der Bühne stehen dabei Lizzy Aumeier, Hermann und Hermine, Die schicken Swingschnitten, Mäc Härder und die Dullnraamer; die Moderation des Abends übernimmt Klaus Karl Kraus. Schirmherr der Jubiläumsveranstaltung ist Oberbürgermeister Thomas Jung.

Karten sind erhältlich in der Buchhandlung Jungkunz, bei Satiro Moden und bei „Vom Fass“.

Fürther Nachrichten, 04.02.2011

 

Neue Führung

Ein Mann erhebt die Hand gegen seine Ehefrau: Die Szene, die für das Symbolfoto gestellt wurde, haben die Frauen, die in Frauenhäusern Zuflucht suchen, nicht nur einmal wirklich erlebt. | Foto: dpa

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